Blick hinter die Kulissen der Abwasserreinigung Hof

Blick hinter die Kulissen der Abwasserreinigung Hof

Wie wird aus schmutzigem Abwasser wieder sauberes Wasser? Dieser Frage gingen rund 50 Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Münchberg bei einer Exkursion zum Abwasserverband Saale in Hof am 29. Juli 2026 nach. In zwei Gruppen aufgeteilt erhielten die Jugendlichen eine spannende Führung durch die Anlage und konnten den Weg des Abwassers vom Kanal bis zur Einleitung in die Saale hautnah nachvollziehen.

Die Verbandskläranlage Hof ist die zentrale Abwasserreinigungsanlage für zahlreichen Kommunen der Region. Zum Einzugsgebiet gehören unter anderem Münchberg, Rehau, Feilitzsch, Köditz sowie weitere umliegende Gemeinden.

Ein langer Weg bis nach Hof

Viele Schülerinnen und Schüler waren überrascht zu erfahren, dass das Abwasser aus Münchberg bei Trockenwetter etwa 16 Stunden benötigt, bis es die Kläranlage in Hof erreicht. Über ein weit verzweigtes Kanalsystem fließt es überwiegend im freien Gefälle zur Anlage. Bei starken Regenfällen gelangen enorme Wassermengen nach Hof: Bis zu 1.700 Liter Abwasser pro Sekunde können dann in der Anlage ankommen. Um solche Spitzenmengen bewältigen zu können, steht ein großes Regenüberlaufbecken als Zwischenspeicher zur Verfügung.

Der erste Stopp: Das Rechenhaus

Die Führung begann am Rechenhaus – und damit an der wohl geruchsintensivsten Station der gesamten Anlage. Hier wird das Abwasser mechanisch gereinigt. Rechen mit einem Stababstand von sechs Millimetern entfernen alle größeren Bestandteile aus dem Wasser. Dazu zählen unter anderem Papier, Hygieneartikel, Verpackungen, Textilien oder Wattestäbchen. Die gesammelten Grobstoffe werden anschließend entsorgt.

Sand und Fett werden getrennt

Im nächsten Schritt gelangt das Abwasser in den Sand- und Fettfang. Dort setzen sich schwere mineralische Stoffe wie Sand am Boden ab. Nach einer Reinigung kann dieses Material sogar wiederverwendet werden, beispielsweise im Straßenbau. Gleichzeitig werden Fette und Öle abgeschieden, die an der Wasseroberfläche schwimmen und anschließend der weiteren Schlammbehandlung zugeführt werden.

Vorklärung und biologische Reinigung

Anschließend durchläuft das Abwasser die Vorklärung. Durch die verringerte Fließgeschwindigkeit setzen sich feinste Schwebstoffe und organische Bestandteile am Boden ab. Der dabei entstehende Schlamm wird gesammelt und später in die Faulbehälter weitergeleitet.

Abb.1: Schüler:innen betrachten das Belebschlammbecken wo durch bakterielle Reinigung das Abwasser aufgereinigt wird

Besonders beeindruckend war für die Schülerinnen und Schüler die biologische Reinigungsstufe im Belebtschlammbecken. Hier übernehmen Milliarden von Mikroorganismen die eigentliche Reinigungsarbeit. Sie bauen gelöste organische und anorganische Schmutzstoffe ab und sorgen gleichzeitig dafür, dass Stickstoff aus dem Abwasser entfernt wird. Dafür durchläuft das Wasser sowohl unbelüftete Becken zur Denitrifikation als auch belüftete Becken zur Nitrifikation. Die notwendige Sauerstoffversorgung erfolgt über eine große Gebläsestation im Maschinenhaus. Zusätzlich wird Phosphor durch die kontinuierliche Zugabe von Fällmitteln an verschiedenen Stellen der Anlage gebunden und aus dem Wasser entfernt. Auf diese Weise trägt die biologische Reinigungsstufe entscheidend dazu bei, die Wasserqualität zu verbessern, bevor das Abwasser in die nächste Reinigungsphase gelangt.

Trennung von Wasser und Belebtschlamm

Nach der biologischen Reinigung gelangt das Wasser in die Nachklärbecken. Dort setzt sich der sogenannte Belebtschlamm am Boden ab. Ein großer Teil dieses Schlamms wird wieder zurück in die Belebungsbecken gepumpt, damit die Mikroorganismen weiterhin für die Reinigung zur Verfügung stehen. Da sich die Bakterien ständig vermehren, muss jedoch regelmäßig überschüssiger Schlamm entfernt werden.

Abb. 2: Eines der drei Nachklärbecken des Abwasserverband Saale

Als letzte Reinigungsstufe wird das Wasser durch spezielle Filtersysteme mit unterschiedlichen Sandkörnungen geleitet. Diese halten selbst feinste Partikel zurück. Erst danach wird das gereinigte Wasser in die Saale eingeleitet. Erstaunlich: Bei Trockenwetter besteht etwa ein Drittel des Wasserflusses der Saale aus gereinigtem Abwasser. Die Anlage bereitet jährlich rund 20 Millionen Kubikmeter Abwasser auf.

Energie aus Klärschlamm

Auch die Verwertung der anfallenden Reststoffe spielt eine wichtige Rolle. Der Klärschlamm wird zunächst entwässert und anschließend zur Verbrennung transportiert. In den Faulbehältern entsteht bei der Zersetzung organischer Stoffe methanhaltiges Klärgas. Dieses wird in Blockheizkraftwerken genutzt, um Strom und Wärme für den Betrieb der Anlage zu erzeugen. Rund drei Viertel des benötigten Stroms können so direkt vor Ort selbst erzeugt werden. Die Verbandskläranlage leistet damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz, sondern auch zur nachhaltigen Energiegewinnung.

Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie viel Technik, Wissen und Aufwand nötig sind, um Wasser zu reinigen und unsere Gewässer zu schützen. Für die Schülerinnen und Schüler war der Besuch eine spannende Ergänzung zum Unterricht und ein anschaulicher Einblick in einen Bereich, der im Alltag meist verborgen bleibt.

Infoflyer: https://www.abwasserverband-saale.de/assets/Uploads/2024-AVS-Faltblatt-Verbandsklaeranlage-und-Verbandsgebiet.pdf

Kontakt

Kompetenznetzwerk Wasser und Energie e.V.
Dr. Birgit Alburg
Projektmanagement
birgit.alburg@wasser-energie.net

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